Spessarttour 2007
Anno 2007 begab es sich, dass die Niendorfer Kurvenräuber beschlossen, neue Jagdgefilde aufzusuchen. Der Spessart bot Aussicht auf lohnende Beute. Als Quartier wurde ein Gasthof in Obererthal ausgewählt, wo eine alteingesessene Familie den Räubern trotz ihres finsteren Ausehens Unterkunft und Verpflegung gewährte. Von dort aus ließen sich täglich in alle Himmelsrichtungen vielversprechende Raubzüge unternehmen. Nach vollbrachtem Tagewerk versorgte der Wirt die Räuber mit stärkenden Speisen und Selbstgebranntem, so dass sie abends satt und zufrieden auf ihre Lager fielen.
Die Räuber liessen sich durch die Unbilden des Wetters nicht beirren und auch Erkrankungen ihrer treuen Rösser konnten ihren Tatendrang nicht bremsen.
Dieser Bericht gibt Zeugnis von den Abenteuern und Erlebnissen dieses Trupps, damit ein jeder von ihren Taten erfahre.
Aber nun besser zurück in die Gegenwart ;-)
Die Reise in den Süden - Samstag 09.06.2007
Für die Anreise war geplant, zunächst einen Teil der ca. 450km auf der Autobahn zu fahren. Etwa beim Harz sollte dann die Autobahn verlassen werden, um dann auf der B27 die ersten Kurven zu genießen.
Der Sammelpunkt war der Autobahnrasthof Harburger Berger, von wo aus wir pünktlich starteten.
Wir verließen dann die Autobahn wegen eines Staus schon einige Abfahrten früher, als geplant. Immer wieder fuhren wir dann auf Gewitterfronten zu, sahen schon die ersten Blitze, aber dann drehte unser Tourguide glücklicherweise ab, so daß wir trocken und von den Temperaturen geschafft bis zum Gasthof zum Stern (www.gh-stern.de) kamen.
Auf Erkundungstour - Sonntag 10.06.2007
Als erste Erkundungstour wurde eine kurze Tour von ca. 130km über viele kleine Straßen gemacht. Die Strecke führte über Orte mit so schönen Namen wie Gräfendorf, Burgsinn, Fellen, Burgjoss, Marjoss, Niederzell, Schlüchtern, Sterbfritz, Jossa, Zeitlofs, Rossbach, Detter, Wartmannsroth, Schwärzelbach und Windheim. Auf der Tour setzte dann Regen ein, so dass die am Vortag ungenutzte Regenbekleidung zum Einsatz kam.
Mittags trafen wir dann wieder am Hotel ein, um uns zu stärken und den weiteren Tag zu planen.
Da es dann wieder trocken wurde, ging es natürlich wieder aufs Motorrad. Das Ziel war zunächst Bad Kissingen, zum Eis essen. Dort fanden wir aber so schnell keine geeignete Einkehrmöglichkeit, so dass wir nach einigen kurvigen Straßen wieder in Richtung Westen schließlich in Gemünden auf einem netten Marktplatz doch noch zu einem Eis kamen.
Manchmal kommt alles anders - Montag 11.06.2007
Wir starteten am Morgen in Richtung Schweinfurt, wo es einen Louis-Laden geben sollte. Dort wollten einige kleine Einkäufe erledigen, dann sollte es in Richtung Rhön weitergehen. Schon kurz nach der Abfahrt setzte dann Regen ein, was Mecki dazu veranlasste, zum Hotel zurückzufahren. In Schweinfurt bekam Wilhelm (BMW RT) dann plötzlich Probleme beim kuppeln. An einer Filiale einer bekannten Baumarktkette bot sich die Möglichkeit sich unterzustellen und eine erste Analyse des Problems vorzunehmen. Beim Öffnen des Kupplungsflüssigkeitsbehälters fand sich nur eine klebrige braune Brühe - kein gutes Zeichen.
Glücklicherweise hat Horst an seiner Goldwing ein BMW-Navigationssystem, in dem natürlich alle BMW-Werkstätten gespeichert sind. Eine Werkstatt befand sich nur 800 m entfernt! Irgendwie schaffte es Wilhelm dann, seine RT dorthin zu fahren (ohne kuppeln zu können!). Die Werkstatt (www.motorradwitzel.de) stellte fest: der Kupplungsnehmerzylinder ist defekt, eine Reparatur ist erforderlich und das entsprechende Ersatzteil musste erst bestellt werden.
Damit Wilhelm weiterhin Motorrad fahren konnte, haben wir für ein Vorausgeburtstagsgeschenk zusammengelegt und ihm eine Leihmaschine besorgt: eine G650 XCountry (direkt aus dem Ausstellungsraum).
Danach fuhren wir wegen des immer noch schlechten Wetters zunächst wieder zurück zum Hotel.
Im Laufe des Nachmittages besserte sich das Wetter dann doch immer mehr, so dass es einigen doch wieder in der Gashand juckte. Pertti hatte in seinem Navigationssystem schon nach einigen unbefestigten Strassen gesucht und machte mit seiner KTM eine kleine Offroad-Tour, wovon er mit dreckigem Motorrad und strahlendem Gesicht zurückkehrte. Und auch Wilhelm wollte die XCountry mal etwas artgerecht bewegen und erkundete ebenfalls die unbefestigten Wege in der Umgebung. Auch er brachte ein schön schmutziges Motorrad zurück (wie schon gesagt: das Motorrad stand am Morgen noch im Ausstellungsraum des Händlers) und die kleine BMW gefiel ihm wohl für diesen Einsatzzweck ganz gut. Pertti und Wilhelm beschlossen dann aber, die Motorräder doch wieder zu säubern.
Am späten Nachmittag traf dann auch noch ein Nachzügler aus Hamburg (Andreas) ein. Er hatte im Gegensatz zu uns den ganzen Tag schönes Wetter gehabt.
Ach übrigens: einen Louis-Laden gibt es in Schweinfurt gar nicht, da hat uns wohl die Vorsehung in die Nähe einer Werkstatt geführt.
Der Steigerwald kann uns nicht schrecken, der Regen auch nicht - Dienstag 12.06.2007
Das Ziel dieses Tages sollte der Steigerwald sein. Vorher wollte Wilhelm in Schweinfurt (wieder!) bei der Werkstatt vorbeifahren, um sein Regenzeug aus seinem Motorrad zu holen. Da man auf dem Weg in den Steigerwald an Schweinfurt vorbeikam, war das kein Problem. Bei der Werkstatt eingetroffen, hörte er aber dann, dass seine RT schon repariert war, so dass er wieder auf sein eigenes Motorrad wechseln konnte. Danach fuhren wir dann erst einmal zu Polo (den gibt es nämlich in Schweinfurt), weil einige Mitfahrer ihre Regenbekleidung etwas aufrüsten wollten. Nach dem Erwerb einiger Regenjacken etc. ging es dann endlich in Richtung Steigerwald.
Und auf der Strecke bot sich dann auch gleich die Möglichkeit, die Neuerwerbungen und alles bereits vorhandene zu testen, es regnete wieder. Bei einer Pause an einer Tankstellen (tanken musste keiner, wir wollten nur im Trockenen stehen) beschlossen wir dann die Tour trotz Regen einfach weiter zu fahren. Die Strecke war auch wirklich sehr schön, nur leider sehr nass.
Der Rückweg sollte uns dann um Schweinfurt herum zum Hotel führen, das klappte aber nicht so ganz. Der arme Tourguide lernte die Tücken von Navigationssystemen kennen: das Navi wollte unbedingt nach Schweinfurt. Wir fuhren im Kreis (und sahen dabei mehrfach die uns bereits bekannte BMW-Werkstatt), landeten auf einer Mülldeponie (das Navi war der Meinung, eine Straße würde hindurchführen) und fuhren schließlich mitten im dicksten Berufsverkehr quer durch Schweinfurt. Letztendlich führte es uns aber dann doch wieder zum Hotel. Immerhin hatte es aber irgendwann doch aufgehört zu regnen.
Am Abend gab es im Hotel dann einen Grillabend und beim Probieren von Selbstgebranntem waren wir alle einhellig der Meinung, dass Williams Birne am besten schmeckt.
Auf möglichst umständlichen Wegen nach Bad Orb - Mittwoch 13.06.2007
Volkhard hatte sein Navigationssystem mit einer Strecke nach Bad Orb gefüttert. Natürlich hatte er dafür nicht den direkten Weg genommen, sondern einen Kurs gewählt, der uns zunächst über größere Strassen (mit leider auch etwas mehr Verkehr), dann auch über kleine Strassen führte. Irgendwann sah ich ein Schild "Bad Orb 34 km". Ich schloss daraus, dass wir wohl bald angekommen sein würden, musste dann aber nach einer weiteren Stunde feststellen, dass wir uns dem Ziel noch nicht sehr genähert hatte, da stand nämlich ein Schild "Bad Orb 33 km". Zu dieser Zeit war Volkhard bereits auf der Suche nach einem geeigneten Rastplatz für uns. Leider fand sich nur ein größerer Parkplatz, immerhin an einem Bach mit Begrünung gelegen. Dort packte Horst dann seine Überraschung für uns aus: er hatte für ein Picknick eingekauft und wir konnten uns mit Brot, Wurst und Käse stärken.
Nach dieser Pause ging es dann aber tatsächlich nach Bad Orb, wo wir uns in der Fussgängerzone niederliessen, Eis aßen und das Publikum der Kurstadt bestaunten.
Zurück fuhren wir dann über eine uns mittlerweile schon bekannte und etwas kürzere Strecke über Burgjoss, Burgsinn, Gräfendorf und Diebach.
Nach dem Abendessen in unserem Hotel besuchten wir dann noch die Jägersmühle, ein Lokal in einer alten Wassermühle. Diese wurde auch extra für uns noch mal in Betrieb genommen.
In alle Himmerlsrichtungen - Donnerstag 14.06.2007
An diesem Tag teilte sich die Gruppe etwas auf, Volkhard wollte zur Wasserkuppe fahren, Dirk wollte endlich mal etwas anderes sehen als immer nur Straßen und unternahm deshalb eine Sightseeing-TOur und ich hatte mir von Pertti eine Tour mit möglichst kleinen Straßen gewünscht, da ich an diesem Tag Geburtstag hatte. Deshalb begann der Tag auch erst einmal damit, daß ich beim Frühstück eine Erdbeersahnetorte von der Gruppe überreicht bekam. Diese haben wir dann aber nicht zum Frühstück gegessen, sondern für den Nachmittag wurden Kaffee und Kuchen vorgesehen.
Dann haben wir uns zu den Touren aufgemacht. Ich bekam, wie gewünscht, eine Tour über kleine schmale Sträßchen. Davon war eine Strasse so klein (die Spessart-Hochstrasse), dass sie noch nicht einmal asphaltiert war. So kam meine Versys (die ja laut Kawasaki eine Enduro sein soll) zu einer 8km langen Schotterstrasse.
Wilfried kam an diesem Tag gar nicht richtig los, denn seine Batterie war leer (und es handelte sich um eine neue Batterie). Nach Betreuung durch den ADAC fuhr er dann nach Schweinfurt (da kennen wir uns ja mittlerweile aus) um eine neue zu kaufen.
Um 16:00 trafen wir uns dann alle wieder, um die Erdbeertorte (wirklich sehr lecker) zu verspeisen.
Dabei erzählten die anderen begeistert von Ihrem Ausflug zur Wasserkuppe, so dass beschlossen wurde, dass am nächsten Tag die komplette Gruppe den Ausflug dorthin wiederholt.
Die Wasserkuppe ruft - Freitag 15.06.2007
Volkhard führte also am nächsten Tag die Gruppe zur Wasserkuppe, mit 950m der höchste Berg unseres Spessart-Ausfluges. Die Strassen waren wirklich schön und oben konnten Segel- und Modellflieger beobachtet werden. Leider konnten wir von dort oben auch eine Regenfront sehen, so dass wir beschlossen, uns nach 2 trockenen Tagen doch wieder die Regenbekleidung anzuziehen.
Auf dem Rückweg kamen dann einige von uns noch zu einem besonderen Erste-Hilfe-Einsatz. Ein Auto war in einen (recht flachen) Strassengraben gefahren, und kam dort aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Pertti und Jens stellten sich dann in den Graben und schoben mit an, so dass das Auto rückwärts wieder herausfahren konnte. Ich nehme an, die Motorhaube hat jetzt ein paar Dellen. Dem Autofahrer war das ganze wohl ziemlich peinlich, er hatte nur eine Pinkelpause einlegen wollen.
Die Regenbekleidung hatte dann wohl eine abschreckende Wirkung, jedenfalls kamen wir doch trotzdem trocken ins Hotel zurück, wo die Vorbereitungen für die Rückreise begannen (Koffer packen, Maschinen betanken...).
Beim Abendessen gab es dann noch eine Überraschung für uns. Plötzlich stand unser Stammtischler Harald mitsamt Frau und Sohn in der Tür. Sie waren auf der Durchreise und hatten für eine Nacht Zimmer gebucht, wovon uns die Wirte allerdings nichts gesagt hatte. Die Überraschung war gelungen.
Zurück ins Flachland - Samstag 16.06.2007
Am Samstag machten wir uns dann wieder auf die Rückreise. Einige fuhren den direkten Weg und benutzten sofort die nahe liegende A7, die anderen fuhren wieder über die B27, diesmal bis Friedland, ab wo dann auch die Autobahn benutzt wurde. An einer Raststelle zogen wir uns dann vorausschauend die Regenbekleidung an, aber dieses Mal klappte es nicht mit der abschreckenden Wirkung, 100 km vor Hamburg gab es dann doch wieder Regen. Bei Annäherung an Hamburg löste die Gruppe sich dann auf.
Britta Hamann